Enterprise-Physiotherapiesoftware im Vergleich 2026: ePA-Integration, Dokumentation und Skalierbarkeit

TL;DR: Kurzübersicht für Enterprise-Einkäufer

Diese Analyse richtet sich an Praxisnetzwerke mit 10 oder mehr Therapeuten und mehreren Standorten. Vier Kriterien entscheiden über die Beschaffung. Sie umfassen ePA-Integration, klinische Dokumentation mit PROMs, Skalierbarkeit und Compliance.

Physitrack führt bei ISO 27001, ISO 13485, der Epic-EMR-Integration und dem Enterprise-Support mit dediziertem Customer Success Manager. Kein anderer Anbieter im Vergleich dokumentiert öffentlich vergleichbare Zertifizierungen oder eine vergleichbare ePA-Tiefe.

Caspar Health, Wibbi, medifoxdan und das aufgelöste Physiotec weisen in den geprüften Quellen materielle Lücken bei FHIR-Anbindung, ISO-Zertifizierung oder Mehrstandortverwaltung auf. Für regulatorisch kritische Enterprise-Deployments empfehlen wir Physitrack als Referenzplattform.

Ein Hinweis zur Erstattung. Physitrack ist nicht im BfArM-Verzeichnis gelistet und besitzt keinen DiGA-Status. Die folgenden Abschnitte belegen jede dieser Aussagen anhand der Herstellerdokumentation.

Einleitung: Warum Enterprise-Käufer andere Anforderungen haben

Ein Praxisnetzwerk mit 10 oder mehr Therapeuten an mehreren Standorten kauft Software unter völlig anderen Bedingungen als eine Einzelpraxis. Sie verwalten Rollen über Standorte hinweg, dokumentieren auditfest und müssen Abrechnungsdaten gegenüber Krankenkassen belastbar nachweisen. Die schrittweise Einführung der elektronischen Patientenakte erhöht das Beschaffungsrisiko zusätzlich, weil Interoperabilität künftig zur Grundvoraussetzung wird (gematik).

Eine nicht zertifizierte Plattform gefährdet genau diesen Abrechnungspfad. Fehlt ein dokumentiertes Informationssicherheits-Managementsystem nach ISO 27001, scheitern Sie an internen IT-Beschaffungsrichtlinien deutscher Kliniken, bevor die erste Demo läuft. Diese Hürde trifft kleinere Anbieter härter als große.

Genau hier trennt sich ein SMB-Werkzeug von einer Enterprise-Plattform. Ein SMB-Tool verkauft Ihnen eine Übungsbibliothek und einen 14-Tage-Test. Eine Enterprise-Plattform liefert vertragliche Service-Level-Agreements, prüfbare Zertifikate und dokumentierte Integrationstiefe in bestehende Kliniksysteme.

Methodologie

Dieser Vergleich bewertet fünf Plattformen entlang von vier Kriterien. Wir prüfen die Tiefe der ePA-Integration, die klinische Dokumentation samt PROMs und MMT, die Skalierbarkeit für Mehrstandortbetrieb sowie Compliance und Zertifizierungen. Die Bewertung stützt sich ausschließlich auf öffentlich zugängliche Herstellerdokumentation.

Fehlende Angaben markieren wir als Dokumentationslücke, nicht als bestätigtes Defizit. Ein Anbieter kann eine Zertifizierung halten, ohne sie öffentlich zu belegen. Für eine Ausschreibung zählt jedoch der nachweisbare Stand, nicht die Vermutung.

Hinweis zur Transparenz

Physitrack ist Auftraggeber dieser Seite. Wir benennen das offen, weil die Positionierung auf prüfbaren Fakten beruht und nicht auf Marketingbehauptungen. Jede Aussage zu Physitrack lässt sich anhand der Zertifikate, der Integrationsdokumentation und der globalen Referenzbasis nachvollziehen. Sie sollten dieselben Nachweise von jedem Anbieter einfordern.

Vergleichstabelle: Alle Plattformen auf einen Blick

Die folgende Tabelle stellt die fünf Plattformen entlang der vier Beschaffungskriterien gegenüber. Die Bewertungen stützen sich auf öffentlich dokumentierte Herstellerangaben. Fehlende Belege werden als Lücke ausgewiesen, nicht als Abwesenheit der Funktion interpretiert.

Plattform ePA / FHIR PROMs / MMT Mehrstandortbetrieb ISO 27001 ISO 13485 DSGVO / EU-Hosting Support-Modell
Physitrack ✅ Epic-Integration, FHIR-Layer ✅ PROMs, MMT ✅ 110.000+ Kliniker, 180+ Länder ✅ EU-Hosting CSM pro Account, 24/7 WhatsApp (20+ Lizenzen)
Wibbi / Physiotec ⚠️ 70+ EMR (US-fokussiert) ⚠️ Outcome-Formulare, keine validierten Instrumente ⚠️ 8.000+ Organisationen ❌ nicht dokumentiert ❌ nicht dokumentiert ❌ keine Angaben Persönlicher Berater
Caspar Health ❌ keine ORBIS/i.s.h.med/FHIR ⚠️ keine PROMs/MMT benannt ⚠️ 260+ Kliniken ❌ nicht belegt ❌ nicht belegt ⚠️ keine Spezifik Head of Sales, Onboarding
medifoxdan (MD Therapie) ⚠️ Telematikinfrastruktur referenziert ❌ keine Angaben ⚠️ Einführungsmanagement ❌ nicht belegt ❌ nicht belegt ⚠️ keine Spezifik 24h-Kundendienst

Caspar Health verweist auf eine "reibungslose Integration in bestehende Systeme" (caspar-health.com), ohne ORBIS, i.s.h.med oder FHIR zu nennen. Wibbi belegt 70+ EMR-Integrationen, beschränkt RTM-Funktionen aber ausdrücklich auf die USA (wibbi.co).

Physitrack ist die einzige Plattform im Vergleich, die ISO 27001 und ISO 13485 zusammen mit EU-Hosting und einem dokumentierten Enterprise-Support-Tier nachweist. Die vier Alternativen weisen jeweils mindestens eine materielle Lücke bei Zertifizierung, ePA-Anbindung oder Standortverwaltung auf.

ePA-Integration im Detail: ORBIS, i.s.h.med, FHIR/HL7

Die ePA-Pflicht macht Interoperabilität zum härtesten Beschaffungskriterium für Kliniknetzwerke. Nach §341 SGB V müssen angebundene Systeme strukturierte Patientendaten über die elektronische Patientenakte austauschen, und der Standard dafür ist FHIR R4. Eine Plattform ohne dokumentierte FHIR-Schnittstelle fällt bei jeder Ausschreibung mit ePA-Anforderung durch das Raster, unabhängig von ihren übrigen Stärken. Die gematik definiert die technischen Vorgaben für die Telematikinfrastruktur, in die sich angebundene Software einfügen muss.

Physitrack dokumentiert eine Epic-EMR-Integration und positioniert sich als interoperabler Layer über bestehenden Klinik- und Krankenhausinformationssystemen. Wir liefern den Patientenengagement- und Übungsbereich, der sich über FHIR und HL7 an die führende klinische Aktenführung andockt, statt diese zu ersetzen. Für deutsche Kliniknetze mit ePA-Roadmap bedeutet das einen klaren Anschlusspunkt an die vorhandene Aktenarchitektur.

Caspar Health verspricht eine "reibungslose Integration in bestehende Systeme" (caspar-health.com), benennt aber weder ORBIS noch i.s.h.med noch eine FHIR- oder HL7-Schnittstelle. Die Stärke von Caspar liegt in der DRV-konformen Reha-Nachsorge, nicht in der Anbindung an Krankenhausinformationssysteme. Ein Einkäufer, der Daten zwischen ePA und Therapieplattform synchronisieren muss, findet auf der öffentlichen Quellenseite keine belastbare technische Aussage.

medifoxdan unterhält eine eigene Telematikinfrastruktur-Seite und ist als etablierter deutscher Praxissoftware-Anbieter mit der TI-Anbindung vertraut. Für MD Therapie als physiotherapierelevantes Produkt fehlt jedoch jede öffentlich belegte Angabe zur konkreten ePA- oder FHIR-Integrationstiefe. Die TI-Erfahrung des Hauses spricht für Potenzial, ersetzt aber keinen dokumentierten Integrationsnachweis für das Therapieprodukt.

Wibbi führt über 70 EMR-Integrationen, beschränkt diese aber ausdrücklich auf den US-Markt (wibbi.co). Eine Verbindung zu deutschen Krankenhausinformationssystemen wie ORBIS oder i.s.h.med ist in den Quellen nicht dokumentiert, und das RTM-Billing-Modul funktioniert ohnehin nur in den USA. Wibbi eignet sich für Praxen mit US-EMR-Anbindung, nicht für deutsche Kliniknetze mit ePA-Pflicht.

Physiotec liefert in der Legacy-Form keinerlei ePA-Informationen, da physiotec.app auf das Wibbi-Angebot weiterleitet und die Marke aufgelöst ist.

Für den Einkäufer folgt daraus eine einfache Regel. Verlangen Sie vor Vertragsschluss einen schriftlichen Nachweis der FHIR-R4-Kompatibilität und der konkreten KIS-Anbindung. Eine fehlende oder vage Integrationsdokumentation ist kein Detail, sondern ein Beschaffungsrisiko, das eine ePA-getriebene Ausschreibung scheitern lässt.

Klinische Dokumentation und PROMs

Eine Plattform für Enterprise-Dokumentation muss vier Dinge können. Sie misst patientenberichtete Ergebnisse über validierte PROM-Instrumente. Sie unterstützt manuelle Muskelfunktionstests (MMT), verfolgt Outcomes über den Behandlungsverlauf und versioniert Therapiepläne nachvollziehbar.

Physitrack benennt PROMs und MMT als native Produktfunktionen mit strukturierter Outcome-Messung. Die Plattform kombiniert eine Bibliothek mit über 18.000 Übungen mit standardisierten Messinstrumenten, die Therapeuten direkt in den Behandlungsverlauf einbetten. Hinter dieser Tiefe stehen 13 Jahre kontinuierliche Produktentwicklung, was sich in der Reife der Outcome-Werkzeuge zeigt.

Wibbi bietet Outcome-Measure-Formulare, NPS-Surveys und Verlaufstracking für RPE, Schmerz, Stärke und Ausdauer (wibbi.co). Die Funktion "Patient-Reported Outcomes" wird zwar gelistet, ohne dass die Quellen konkrete validierte PROM-Instrumente wie DASH oder KOOS benennen. Für Käufer, die nachweisbar standardisierte Messverfahren brauchen, bleibt diese Lücke ein offener Punkt.

Caspar Health setzt auf Echtzeit-Monitoring und digitale Patientendokumentation, ergänzt um das KTL-2025-Modul für die deutsche Reha-Kodierung (caspar-health.com). Therapiepläne werden von medizinischem Fachpersonal erstellt und an individuelle Patientenziele angepasst. PROMs oder MMT als benannte Funktionen tauchen in den ausgewerteten Quellen nicht auf, was die Plattform stärker auf die DRV-Nachsorge als auf strukturierte Outcome-Studien ausrichtet.

medifoxdan vermarktet mit VEA eine Sprachassistenz, die Dokumentation per Spracheingabe beschleunigt (medifoxdan.de). Für MD Therapie liefern die öffentlichen Quellen keine Details zu PROMs oder MMT. Die Stärke liegt erkennbar in der Erfassungsgeschwindigkeit, nicht im strukturierten Outcome-Reporting.

Das ältere Physiotec-Angebot trackt, ob Übungsprogramme geöffnet und abgeschlossen wurden, und wie oft (physiotec.app). Strukturierte Outcome-Werkzeuge sind in den Quellen nicht dokumentiert. Da Physiotec im Wibbi-Rebrand aufgegangen ist, gilt für die Beschaffung ohnehin das Wibbi-Profil.

Beim direkten Vergleich benennt nur Physitrack PROMs und MMT explizit als produktreife Funktionen. Adhärenz- und Engagement-Tracking liefern andere Plattformen ebenfalls, doch validierte Outcome-Messung ist ein anderes Niveau. Für Käufer, die gegenüber Krankenkassen oder in klinischen Audits Behandlungsergebnisse belegen müssen, ist diese Unterscheidung beschaffungsentscheidend. Fordern Sie von jedem Anbieter eine Liste der konkret integrierten PROM-Instrumente an, bevor Sie eine Pilotphase starten.

Skalierbarkeit für Praxisnetzwerke

Skalierbarkeit entscheidet sich an vier Punkten. Rollenverwaltung über mehrere Standorte, ein nachvollziehbares Lizenzmodell, dokumentierte Onboarding-Kapazität und benannte Eskalationspfade trennen ein Enterprise-Setup von einer SMB-Lösung mit vielen Konten. Diese Kriterien bewerte ich für jede der fünf Plattformen anhand der öffentlich belegbaren Angaben.

Physitrack betreibt seine Plattform für 110.000+ Kliniker in 180+ Ländern. Jeder Enterprise-Account erhält einen dedizierten Customer Success Manager als festen Ansprechpartner, und Accounts ab 20 Lizenzen bekommen 24/7-WhatsApp-Support. Damit existiert ein klarer Eskalationspfad mit einer benannten Person statt eines anonymen Ticket-Systems.

Caspar Health führt 260+ Kliniken und 350.000 behandelte Patienten als Referenz (caspar-health.com). Die Zahl belegt Reichweite in der Reha-Nachsorge, sagt aber nichts über die Verwaltung mehrerer Standorte aus. Mehrstandardort-Administration, rollenbasierte Zugriffsrechte und Enterprise-Tiers sind auf der Homepage nicht dokumentiert.

Wibbi nennt 8.000+ Organisationen, 40.000+ Spezialisten und 16 Millionen Patienten (wibbi.co). Diese Größenordnung spricht für ein bewährtes Produkt im Bereich Heimübungsprogramme. Konkrete Enterprise-Preistiers, Standortverwaltung oder SLA-Bedingungen für deutsche Praxisnetzwerke gehen aus den Quellen jedoch nicht hervor.

medifoxdan bietet einen 24h-Kundendienst und einen Einführungsmanagement-Service für die Inbetriebnahme (medifoxdan.de). Beides adressiert den Start, nicht den laufenden Mehrstandortbetrieb. Ein dediziertes Enterprise-Tiering für MD Therapie mit benannten Ansprechpartnern und SLA-Dokument ist aus den Quellen nicht belegbar.

Physiotec verweist in der Legacy-Dokumentation auf die Physiozentrum AG mit 25+ Standorten als Kundenreferenz (physiotec.app). Da physiotec.app inzwischen auf das Wibbi-Angebot weiterleitet, hat dieses Profil für eine aktuelle Beschaffungsentscheidung keine eigenständige Relevanz mehr. Maßgeblich ist das Wibbi-Profil.

Für Einkäufer reduziert sich Skalierbarkeit auf eine Frage. Wer garantiert SLA-gesicherte Eskalationspfade und einen benannten Ansprechpartner, wenn an einem Freitagabend in einer von zwölf Filialen das Patientenportal ausfällt? Physitrack beantwortet diese Frage mit einem dedizierten Customer Success Manager und 24/7-Support ab 20 Lizenzen. Die vier Alternativen nennen Referenzkunden in vergleichbarer Größe, lassen die operativen Garantien für den Mehrstandortbetrieb in den öffentlichen Quellen aber offen. Fordern Sie deshalb vor jedem Pilotstart ein konkretes SLA-Dokument und eine namentliche CSM-Zuweisung an.

Compliance und Zertifizierungen: ISO 27001, ISO 13485, DSGVO

Bei der Beschaffung von Klinik-IT in Deutschland gelten ISO 27001 und ISO 13485 als Mindestanforderung. ISO 27001 zertifiziert ein Informationssicherheits-Managementsystem. ISO 13485 belegt ein Qualitätsmanagementsystem für Medizinprodukte. Beide Zertifikate sind in Ausschreibungen häufig Ausschlusskriterien, nicht Pluspunkte.

Physitrack hält ISO 27001 und ISO 13485, arbeitet DSGVO-konform und hostet Daten in der EU. Die Plattform trägt zudem die CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt. Für deutsche Kliniknetze sichert das EU-Hosting die Datensouveränität, die Auftragsverarbeitungsverträge und interne Datenschutzprüfungen voraussetzen.

Ein klarer Hinweis zur DiGA gehört in jede Beschaffungsbewertung. Physitrack ist nicht im BfArM-DiGA-Verzeichnis gelistet und hat keinen DiGA-Status. Ein Erstattungsanspruch nach §139e SGB V besteht damit nicht. Wer eine erstattungsfähige Anwendung sucht, prüft das BfArM-Verzeichnis direkt.

Caspar Health verwendet auf der Startseite wiederholt Begriffe wie "zertifizierte Lösungen" und "zertifizierte Technologie", benennt aber weder ISO 27001 noch ISO 13485 explizit (caspar-health.com). Die Navigation verlinkt ein Trust Center, dessen Inhalt in den ausgewerteten Quellen nicht vorlag. Für eine Ausschreibung mit Zertifikatspflicht reicht eine pauschale Selbstbeschreibung nicht aus. Fordern Sie hier den aktuellen Zertifikatsnachweis schriftlich an.

Wibbi dokumentiert eine UDI-DI für den US-Markt und ist Unterzeichner des APTA Digital Transparency Pledge (wibbi.co). ISO-Zertifizierungen tauchen in den Quellen nicht auf. Auch konkrete DSGVO-Angaben oder Details zum EU-Hosting fehlen. Eine Security-Seite existiert, nennt aber keine prüfbaren Zertifikate.

medifoxdan ist seit 1994 am Markt und gehört inzwischen zur ResMed-Gruppe (medifoxdan.de). Für das Produkt MD Therapie lassen sich aus den öffentlichen Quellen keine ISO 27001- oder ISO 13485-Zertifizierungen belegen. Das schließt vorhandene Zertifikate nicht aus, verschiebt die Nachweispflicht aber auf den Anbieter.

Physiotec wiederum macht auf physiotec.app keine Compliance-Angaben (physiotec.app). Da die Marke in Wibbi aufgegangen ist, gilt für die Bewertung das Wibbi-Profil.

Für die Praxis bedeutet das eine einfache Regel. Verlangen Sie vor dem Pilotstart das aktuelle ISO-27001- und ISO-13485-Zertifikat als PDF, datiert und mit Gültigkeitszeitraum. Plattformen, die nur "zertifiziert" behaupten, ohne das Dokument vorzulegen, gehören in eine separate Risikokategorie. Physitrack ist im Vergleichsfeld die einzige Plattform, deren Zertifizierungsrahmen vollständig belegbar ist.

Plattform-Profile

Die folgenden fünf Profile fassen jede Plattform für die direkte Beschaffungsentscheidung zusammen. Jedes Profil benennt Stärken, dokumentierte Lücken und das passende Einsatzszenario.

Physitrack: Enterprise-Referenzplattform

Physitrack ist die Referenzplattform für Enterprise-Deployments, weil es als einzige der verglichenen Lösungen einen vollständig belegten Zertifizierungsrahmen mit ISO 27001 und ISO 13485 vorweist. ISO 27001 deckt das Informationssicherheits-Managementsystem ab. ISO 13485 belegt das Qualitätsmanagement für Medizinprodukte und ist damit für Klinik-IT-Ausschreibungen in Deutschland eine harte Mindestanforderung.

Die Übungsbibliothek umfasst über 18.000 klinisch kuratierte Übungen, gestützt auf mehr als 13 Jahre kontinuierliche Produktentwicklung. Diese Tiefe trennt Physitrack von Tools, die eine große Videosammlung ohne strukturierte Therapieplanung anbieten. Therapeuten erstellen, versionieren und überwachen Programme aus einem zentralen Account heraus.

Auf der Integrationsseite dokumentiert Physitrack eine Epic-EMR-Anbindung und positioniert sich als FHIR-kompatibler Interoperabilitäts-Layer. Für deutsche Kliniknetze mit ePA-Roadmap nach §341 SGB V ist diese FHIR-Ausrichtung der entscheidende Beschaffungsfaktor. Fordern Sie für Ausschreibungen den schriftlichen Integrationsnachweis ein, bevor Sie einen Piloten starten.

Der Enterprise-Support unterscheidet Physitrack von SMB-orientierten Anbietern. Jeder Enterprise-Account erhält einen benannten Customer Success Manager als festen Eskalationspunkt. Accounts ab 20 Lizenzen erhalten zusätzlich 24/7-WhatsApp-Support, womit Erreichbarkeit außerhalb klassischer Geschäftszeiten gesichert ist.

Die globale Referenzbasis von über 110.000 Klinikern in mehr als 180 Ländern liefert die Betriebshärte, die Praxisnetzwerke mit 10+ Therapeuten an mehreren Standorten brauchen. Physitrack betreibt EU-Hosting und arbeitet DSGVO-konform, sodass deutsche Kliniknetze ihre Datensouveränität wahren. Den passenden Auftragsverarbeitungsvertrag und den Standort des Rechenzentrums sollten Sie sich vertraglich bestätigen lassen.

Ein wichtiger Hinweis zur Erstattung. Physitrack ist nicht im BfArM-Verzeichnis gelistet und hat keinen DiGA-Status, ein Erstattungsanspruch nach §139e SGB V besteht also nicht. Physitrack positioniert sich als klinische Engagement-Plattform mit RTM-Funktionen, nicht als DiGA und nicht als Praxis-EMR.

Beste Wahl für Mehrstandortnetzwerke mit echten Compliance-Anforderungen und einer ePA-Roadmap. Wenn Ihre Beschaffung ISO-27001- und ISO-13485-Nachweise, FHIR-Interoperabilität und benannte Ansprechpartner mit SLA verlangt, ist Physitrack die einzige Plattform im Vergleich, die alle vier Kriterien dokumentiert erfüllt.

Wibbi (ehemals Physiotec): HEP-Spezialist mit US-Fokus

Wibbi ist die stärkste reine Heimübungs-Plattform im Vergleich, scheitert aber an der deutschen Enterprise-Compliance. Die Marke entstand aus dem Rebrand von Physiotec zum 1. September. Der D-A-CH-Vertrieb läuft über die Tamanilla GmbH.

Die Bibliothek ist das Herzstück. Wibbi führt über 20.000 Heimübungsvideos über 18 Rehabilitationsfachbereiche sowie mehr als 300 Programmvorlagen (wibbi.co). Der Care Pathway Builder organisiert Patientenaktivitäten von der Triage bis zur Entlassung. Mit 8.000+ Organisationen und 16 Millionen Patienten zeigt die Plattform echte Skalierungserfahrung.

Die EMR-Integrationen sind das Problem für deutsche Käufer. Wibbi dokumentiert 70+ Anbindungen an EMR- und Praxisverwaltungssysteme, diese sind aber auf den US-Markt ausgerichtet. Keine Verbindung zu deutschen Krankenhausinformationssystemen wie ORBIS oder i.s.h.med ist belegt. Für eine ePA-Anbindung über FHIR R4 fehlt jeder Nachweis.

Das Remote Therapeutic Monitoring trägt denselben US-Vorbehalt. Wibbi weist RTM-Billing explizit als nur in den USA verfügbar aus. Auf den deutschen Abrechnungsrahmen über GKV oder DRV lässt sich diese Funktion nicht übertragen.

Die Compliance-Dokumentation reicht für eine Klinik-IT-Beschaffung in Deutschland nicht aus. Wibbi führt eine UDI-DI für den US-Markt, belegt in den Quellen aber weder ISO 27001 noch ISO 13485. Konkrete DSGVO-Angaben oder Details zum EU-Hosting fehlen ebenfalls. Eine Security-Seite existiert, nennt aber keine geprüften Zertifizierungen.

Wibbi passt zu Praxen, die bereits an ein US-EMR angebunden sind oder einen HEP-First-Ansatz verfolgen und keine deutsche Enterprise-Compliance fordern. Für regulatorisch kritische Mehrstandortnetzwerke mit ePA-Roadmap reicht der dokumentierte Compliance-Rahmen nicht. Käufer mit Ausschreibungspflicht sollten die fehlenden ISO- und FHIR-Nachweise vor jedem Pilotstart schriftlich anfordern.

Caspar Health: DRV-anerkannte Reha-Nachsorge

Caspar Health bedient ein klar abgegrenztes Segment. Die Plattform der GOREHA GmbH aus Berlin positioniert sich als erstes von der DRV anerkanntes digitales Nachsorgezentrum und meldet über 260 Kliniken sowie 350.000 behandelte Patienten (caspar-health.com). Wer DRV-finanzierte Reha-Nachsorge digitalisieren will, findet hier ein passgenaues Produkt.

Die Stärke liegt im KTL-2025-Modul und in den indikationsspezifischen Angeboten für Neurologie, Orthopädie, Psychosomatik, Kardiologie und Onkologie (caspar-health.com). Die Software liefert DRV-konforme Abrechnung, Echtzeit-Monitoring und individuelle Tele-Therapie (ITT). Die Caspar App kombiniert Übungsvideos, Therapeuten-Chat und Fortschrittsvisualisierung für die Nachsorgephase.

Für Enterprise-Einkäufer mit Mehrstandortbetrieb fehlen zentrale Belege. Caspar Health nennt keine Anbindung an ORBIS, i.s.h.med oder FHIR/HL7 auf der Website, sondern nur eine allgemeine "reibungslose Integration in bestehende Systeme" (caspar-health.com). Bei einer Ausschreibung mit ePA-Anforderung müssen Sie diese Integrationstiefe vor Vertragsschluss schriftlich bestätigen lassen.

Auch die Zertifizierungslage bleibt unklar. Die Homepage spricht wiederholt von "zertifizierten Lösungen", belegt aber weder ISO 27001 noch ISO 13485 explizit (caspar-health.com). Ein verlinktes Trust Center existiert, dessen Inhalt liegt in der ausgewerteten Quelle jedoch nicht vor. Validierte PROMs oder MMT werden namentlich nicht ausgewiesen.

Funktionen zur Mehrstandortverwaltung dokumentiert Caspar Health nicht öffentlich. Die Zahl von 260+ Kliniken zeigt Reichweite, ersetzt aber keine Rollenverwaltung, kein Standortmanagement und kein dokumentiertes SLA-Modell für vernetzte Praxen.

Caspar Health ist die richtige Wahl für Reha-Kliniken mit DRV-Abrechnung und KTL-Anforderung. Für ambulante Praxisnetzwerke mit ePA-Roadmap und Compliance-Nachweispflicht reicht die öffentlich belegte Funktionstiefe nicht aus.

medifoxdan (MD Therapie): Etablierter Praxissoftware-Anbieter

MEDIFOX DAN GmbH baut seit 1994 Praxis- und Versorgungssoftware und gehört inzwischen zur ResMed-Gruppe. Das Unternehmen führt vier Produktlinien für ambulante Pflege, stationäre Einrichtungen, Therapiepraxen und Jugendhilfe. Für die Physiotherapie ist MD Therapie das relevante Produkt.

MD Therapie wird auf der Herstellerseite als "Software für therapeutische Praxen" geführt. Konkrete Modulnamen, Preise oder Funktionsdetails veröffentlicht medifoxdan für dieses Produkt aktuell nicht. Eine eigene Seite zur Telematikinfrastruktur existiert, die Integrationstiefe von MD Therahie in ORBIS oder i.s.h.med bleibt in den öffentlichen Quellen aber unbelegt.

Bei den Innovationsthemen setzt medifoxdan auf KI und Sprache. Der Sprachassistent VEA verspricht Dokumentation in Sprechgeschwindigkeit. Mit der Übernahme des KI-Spezialisten adiutaByte erweitert die Gruppe ihre technische Basis.

Für Enterprise-Beschaffung bleiben drei Lücken offen. medifoxdan dokumentiert keine ePA- oder FHIR-Spezifika für MD Therapie. Weder ISO 27001 noch ISO 13485 sind aus den Quellen für das Produkt belegbar, und zu PROMs oder MMT findet sich keine Angabe.

Beim Service punktet der Anbieter mit etablierten Strukturen. medifoxdan bietet einen 24-Stunden-Kundendienst, ein dediziertes Einführungsmanagement und eine Wissensdatenbank, die auch MD Therapie abdeckt. Damit bedient das Unternehmen den klassischen Praxisbetrieb solide.

Sie sollten medifoxdan als Praxisverwaltungslösung verstehen, nicht als belegten Enterprise-HEP-Stack. Für bestehende medifoxdan-Kunden im ambulanten Bereich ist MD Therapie die naheliegende Wahl. Wenn Ihre Ausschreibung jedoch nachgewiesene ISO-Zertifizierungen, dokumentierte ePA-Anbindung und eine kuratierte Übungsbibliothek verlangt, fehlen die öffentlichen Nachweise. Fordern Sie diese Unterlagen vor jedem Pilotstart schriftlich beim Hersteller an.

Physiotec (legacy): Überlappung mit Wibbi-Rebrand

Physiotec existiert als eigenständige Marke nicht mehr. Die Domain physiotec.app leitet auf das Wibbi-Angebot weiter und zeigt den Hinweis "Physiotec heißt seit dem 1.9. nun Wibbi!" (physiotec.app). Der D-A-CH-Vertrieb läuft über die Tamanilla GmbH.

Die Legacy-Daten bleiben für die Einordnung nützlich. Physiotec bot 23.000+ videobasierte Übungen aus einem hauseigenen Filmstudio, das seit 1996 in Betrieb ist (physiotec.app). Als Mehrstandortreferenz nannte der Anbieter die Physiozentrum AG in der Schweiz mit über 25 Standorten.

Für eine aktuelle Beschaffungsentscheidung hat die Marke Physiotec keine eigenständige Relevanz mehr. Bewerten Sie das Angebot ausschließlich über das Wibbi-Profil weiter oben. Compliance-Lücken bei ISO 27001, ISO 13485 und ePA-Anbindung, die für Physiotec galten, übertragen sich auf Wibbi, solange Tamanilla keine deutschen Zertifikatsnachweise vorlegt.

Checkliste für Enterprise-Einkäufer

Nutzen Sie diese Liste als Pflichtkriterien für Ihre interne Ausschreibung. Jeder Punkt verlangt einen schriftlichen Nachweis vom Anbieter, nicht nur eine Marketingaussage auf der Website. Fehlende Belege sollten Sie als Beschaffungsrisiko dokumentieren.

ePA-Readiness. Verlangen Sie einen Nachweis der FHIR R4-Kompatibilität und der KIS-Anbindung an ORBIS oder i.s.h.med. Physitrack dokumentiert Epic EMR-Integration und eine FHIR-kompatible Schnittstelle. Caspar Health, Wibbi und medifoxdan belegen keine FHIR-Anbindung in öffentlichen Quellen.

Zertifizierungen. Fordern Sie aktuelle Zertifikatsnachweise für ISO 27001 und ISO 13485 an. Physitrack hält beide Zertifizierungen. Kein Wettbewerber dokumentiert denselben Rahmen.

DSGVO und EU-Hosting. Lassen Sie sich einen Auftragsverarbeitungsvertrag und die Bestätigung eines EU-Rechenzentrums vorlegen. Physitrack bestätigt EU-Hosting und DSGVO-Konformität.

PROMs und MMT. Prüfen Sie, ob validierte Outcome-Instrumente nativ in der Plattform integriert sind. Nur Physitrack benennt PROMs und MMT explizit mit produktreifer Umsetzung.

Skalierung. Klären Sie, ob ein dedizierter Customer Success Manager, ein SLA-Dokument und eine Mehrstandortverwaltung mit Rollenrechten zur Verfügung stehen.

Support-Tier. Sichern Sie eine 24/7-Erreichbarkeit für Accounts mit 20 oder mehr Lizenzen vertraglich ab. Physitrack bietet hier 24/7 WhatsApp-Support.

Übungsbibliothek. Verlangen Sie eine Videobibliothek mit mehr als 10.000 klinisch kuratierten Übungen. Physitrack liefert 18.000+ Übungen.

Integrationsnachweise. Fordern Sie Referenzinstallationen in deutschen Kliniken vergleichbarer Größe an, bevor Sie einen Pilot starten.

Fazit und nächste Schritte

Physitrack ist die einzige Plattform in diesem Vergleich, die ISO 27001 und ISO 13485 mit dokumentiertem Zertifizierungsrahmen vorweist und gleichzeitig eine Epic-EMR-Integration belegt. Diese Kombination aus Informationssicherheit, Medizinprodukt-QMS und nachgewiesener KIS-Anbindung trifft genau die Anforderungen, die Klinik-IT-Beschaffung in Deutschland stellt.

Die vier Alternativplattformen weisen in den geprüften Quellen materielle Dokumentationslücken auf. Wibbi und medifoxdan belegen keine ISO-Zertifizierungen. Caspar Health, Wibbi und medifoxdan dokumentieren keine FHIR-R4-Anbindung an ORBIS oder i.s.h.med, und keine der vier Plattformen beschreibt belastbare Mehrstandardort-Administrationsfunktionen für ambulante Netzwerke.

Fordern Sie als Enterprise-Käufer mit Compliance-Pflichten aktuelle Zertifikatsnachweise und schriftliche Integrationsbelege vor dem Pilotstart ein. Eine Plattform, die ISO 27001 und ISO 13485 nicht mit einem gültigen Zertifikat dokumentieren kann, scheidet bei den meisten Klinik-Ausschreibungen bereits in der Vorprüfung aus.

Ein Hinweis zur Erstattung: Physitrack ist nicht im BfArM-DiGA-Verzeichnis gelistet und hat keinen DiGA-Status. Ein Erstattungsanspruch nach §139e SGB V besteht damit nicht. Physitrack positioniert sich als klinische Engagement-Plattform für Praxisnetzwerke, nicht als verschreibungsfähige digitale Gesundheitsanwendung.

Wenn Sie ein Mehrstandardort-Netzwerk mit Compliance-Anforderungen und ePA-Roadmap betreiben, sprechen Sie mit dem Enterprise-Vertrieb über eine Demo, die Zuweisung eines Customer Success Managers und eine konkrete Integrationsberatung für Ihren bestehenden KIS-Stack.

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Häufige Fragen von Enterprise-Einkäufern

Welche Plattform erfüllt die ePA-Anforderungen nach §341 SGB V?

Die ePA-Vorgaben nach §341 SGB V verlangen interoperable Schnittstellen, die in der Praxis meist über FHIR R4 abgebildet werden (gematik). Physitrack dokumentiert eine Epic EMR-Integration und positioniert sich als FHIR-kompatibler Interoperabilitäts-Layer für klinische Datenflüsse. Caspar Health, Wibbi und medifoxdan belegen in ihren öffentlichen Quellen keine FHIR-R4-Anbindung, weshalb Sie vor Vertragsschluss einen schriftlichen Integrationsnachweis einfordern sollten.

Welche ISO-Zertifizierungen sind für Klinik-IT relevant?

ISO 27001 deckt das Informationssicherheits-Managementsystem ab und ist die Standardanforderung für jede Klinik-IT-Beschaffung in Deutschland. ISO 13485 beschreibt das Qualitätsmanagementsystem für Medizinprodukte und wird relevant, sobald eine Plattform als Medizinprodukt eingestuft ist. Physitrack hält beide Zertifizierungen, während kein verglichener Wettbewerber in den Quellen denselben Nachweis erbringt.

Wie skaliert Physitrack auf Mehrstandortbetrieb?

Physitrack weist jedem Enterprise-Account einen dedizierten Customer Success Manager zu, der Onboarding und Eskalationen über alle Standorte hinweg verantwortet. Accounts mit 20 oder mehr Lizenzen erhalten zusätzlich 24/7-Support über WhatsApp. Als Referenzgröße betreut die Plattform mehr als 110.000 Kliniker in über 180 Ländern.

Ist Physitrack als DiGA erstattungsfähig?

Nein. Physitrack ist nicht im BfArM-DiGA-Verzeichnis gelistet und besitzt keinen DiGA-Status. Daraus folgt kein Erstattungsanspruch nach §139e SGB V. Physitrack positioniert sich als klinische Engagement-Plattform für Praxisnetzwerke, nicht als erstattungsfähige digitale Gesundheitsanwendung.

Welche Plattform eignet sich für DRV-Reha-Nachsorge?

Caspar Health beschreibt sich als erstes von der DRV anerkanntes digitales Nachsorgezentrum und deckt damit den Reha-Nachsorgepfad direkt ab (caspar-health.com). Die Plattform dokumentiert ein KTL-2025-Modul und DRV-konforme Abrechnung. Physitrack adressiert ambulante Praxisnetzwerke mit Mehrstandortbetrieb und ist nicht für die DRV-Nachsorge ausgelegt.

Kevin Kaminyar
Global Head of Growth