Schröpftherapie in der Physiotherapie: Wirkt sie und wann sollte man sie anwenden?

Kurz gesagt
- Schröpfbehandlungen können bei einigen Erkrankungen des Bewegungsapparats, darunter Nacken- und Kreuzschmerzen, eine kurzfristige Schmerzlinderung bewirken. In placebokontrollierten Studien wird der gemessene Nutzen jedoch häufig eingeschränkt oder geht ganz verloren.
- Kliniker sollten das Schröpfen als Ergänzung zu therapeutischen Übungen oder manueller Therapie einsetzen, nicht als eigenständige Behandlungsmethode. Die Belege für dauerhafte Funktionsverbesserungen sind nach wie vor begrenzt.
- Beim trockenen Schröpfen wird ein Unterdruck erzeugt, ohne die Haut zu verletzen. Beim nassen Schröpfen werden kleine Einschnitte vorgenommen; diese Methode wird in der etablierten Physiotherapie in den USA nur selten angewendet.
- Physiotherapeuten bezeichnen das dynamische Trocken-Schröpfen oft als myofasziale Dekompression. Sie wenden diese Technik gezielt auf das betreffende Gewebe an und kombinieren sie mit aktiven Bewegungen – im Gegensatz zum Schröpfen, das als eigenständige Wellness- oder traditionelle Behandlung eingesetzt wird.
Was ist die Schröpftherapie?
Bei der Schröpftherapie wird durch Unterdruck im Inneren eines Schröpfglases die Haut und das darunterliegende Weichgewebe angehoben. Die Schröpfgläser können aus Glas, Silikon oder Kunststoff bestehen. Die Behandler passen die Saugkraft, die Platzierung und die Behandlungsdauer je nach Behandlungsbereich und Reaktion des Patienten an.
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Beim Trocken-Schröpfen wird ein Unterdruck erzeugt, ohne die Haut zu verletzen. Physiotherapeuten wenden diese Methode am häufigsten an, da dabei kein Kontakt mit Blut entsteht und sie sich gut in eine manuelle Therapiesitzung integrieren lässt.
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Beim statischen Schröpfen bleiben eine oder mehrere Schröpfgläser für einen bestimmten Zeitraum an Ort und Stelle. Durch den Unterdruck entstehen die bekannten kreisförmigen Abdrücke, die Veränderungen in den kleinen Blutgefäßen nahe der Haut widerspiegeln und keine herkömmlichen Blutergüsse sind, die durch Stöße verursacht werden.
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Beim dynamischen Schröpfen wird ein Schröpfglas über die mit Gleitmittel eingeriebene Haut geführt oder der Unterdruck mit aktiven Bewegungen kombiniert. In der physiotherapeutischen Fachliteratur wird dieser Ansatz häufig als myofasziale Dekompression bezeichnet, da der Therapeut dabei auf Bewegungseinschränkungen zwischen Haut, Faszien und Muskeln abzielt.
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Beim „Wet Cupping“ wird Saugkraft mit kleinen Hautschnitten kombiniert, um Blut abzulassen. In den gängigen US-amerikanischen Physiotherapiepraxen wird diese Methode nur selten angewendet, da das Hinzukommen von Blut Bedenken hinsichtlich der Infektionskontrolle aufwirft und die staatlichen Vorschriften zum Tätigkeitsbereich die Anwendung dieser Technik einschränken können.
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Beim pulsierenden Schröpfen kommt ein mechanisches Gerät zum Einsatz, das den Unterdruck wiederholt verändert. Forscher haben diese Methode bei Schmerzen des Bewegungsapparats untersucht, doch in der klinischen Praxis wird sie seltener angewendet als das herkömmliche Trockenschröpfen.
Physiotherapeuten setzen die myofasziale Dekompression in der Regel als Teil eines Behandlungsplans ein. Sie wählen das zu behandelnde Gewebe aus, passen die Intensität an, beurteilen die Beweglichkeit erneut und kombinieren die Technik mit Übungen oder anderen manuellen Behandlungsmethoden. In Wellness-Einrichtungen und bei der traditionellen Akupunktur-ähnlichen Schröpftherapie werden zwar möglicherweise ähnliche Schröpfgläser verwendet, doch verfolgen diese Behandlungen unter Umständen andere Ziele und werden möglicherweise als eigenständige Leistung angeboten.
Wirkt die Schröpftherapie? Was die wissenschaftlichen Erkenntnisse tatsächlich zeigen
Die Schröpftherapie kann muskuloskelettale Schmerzen kurzfristig lindern, insbesondere unmittelbar nach der Behandlung. Systematische Übersichtsarbeiten berichten von Schmerzlinderungen bei Schmerzen im unteren Rückenbereich, Nackenschmerzen, Arthrose und allgemein bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen. Einige Studien berichten zudem von einer Verbesserung der Bewegungsfreiheit oder der Behinderungswerte. Allerdings vergleichen Forscher die Schröpftherapie häufig mit keiner Behandlung oder der üblichen Versorgung, wodurch die Wirkung des Unterdrucks nicht von Erwartungen, der Aufmerksamkeit des Behandlers und den natürlichen Schwankungen der Symptome getrennt werden kann.
In Placebo-kontrollierten Studien ergibt sich ein verhalteneres Bild. Wenn Forscher das echte Schröpfen mit einer überzeugenden Nachahmung vergleichen, verringern sich die Unterschiede hinsichtlich Schmerzen, körperlicher Funktion, Mobilität und Lebensqualität oft oder verschwinden ganz. Ein Scheinverfahren kann Druck, Berührung, Behandlungsrituale und die Erwartungen der Patienten nachbilden, ohne die beabsichtigte Saugkraft zu erzeugen. Diese gemeinsamen Effekte könnten einen Teil der Verbesserung erklären, die im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Behandlung zu beobachten ist.
Auch die Qualität der Studien schränkt die Zuverlässigkeit der zusammengefassten Ergebnisse ein. In den Studien kommen unterschiedliche Schröpfgläser, Saugdrücke, Sitzungsdauern, Behandlungspläne und Vergleichsgruppen zum Einsatz. Viele Studien basieren auf kleinen Stichproben oder weisen ein Verzerrungspotenzial auf. Die Zusammenfassung dieser Studien kann zu einem positiven durchschnittlichen Effekt führen, ohne dass dabei klar wird, welche Technik wirkt, wer davon profitiert oder wie lange eine Verbesserung anhält.
Die derzeitige Evidenz spricht dafür, dass Schröpfen als optionale Ergänzung zur kurzfristigen Linderung von Symptomen eingesetzt werden kann. Ein Physiotherapeut kann diese Methode anwenden, wenn eine vorübergehende Schmerzlinderung oder eine verbesserte Beweglichkeit des Gewebes dem Patienten hilft, Dehnübungen, manuelle Therapie oder therapeutische Übungen besser zu vertragen. Die Evidenz für dauerhafte Funktionsverbesserungen, anhaltende Veränderungen der Beweglichkeit oder den Einsatz von Schröpfen als eigenständige Behandlung ist nach wie vor schwächer. Kliniker sollten den Nutzen dieser Methode daran messen, ob durch aktive Rehabilitation messbare Fortschritte erzielt werden, und nicht allein anhand von vorübergehenden Schmerzen, Hautabdrücken oder einer sofortigen Veränderung der Empfindung.
Am besten geeignet für: Erkrankungen und Anwendungsfälle, bei denen Physiotherapeuten die Schröpftherapie anwenden
Physiotherapeuten setzen das Schröpfen meist zur kurzfristigen Linderung von Symptomen oder zur Verbesserung der Gewebebeweglichkeit vor der aktiven Behandlung ein.
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Myofasziale Schmerzen und Triggerpunkte. Das Trockenschröpfen kann lokale Schmerzen und Empfindlichkeit vorübergehend lindern, wodurch Bewegungen oder manuelle Behandlungen erträglicher werden können.
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Muskelverspannungen und eingeschränkte Fasziengleitfähigkeit. Statische oder bewegliche Schröpfgläser erzeugen einen Unterdruck auf der Haut und dem darunterliegenden Weichgewebe. Therapeuten können diese Technik anwenden, wenn Gewebeeinschränkungen den komfortablen Bewegungsumfang begrenzen.
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Narbengewebe und Beweglichkeit bei Verwachsungen. Ein Physiotherapeut kann Schröpfgläser um eine vollständig verheilte Narbe herum bewegen, um eine eingeschränkte Beweglichkeit der Haut zu behandeln. Schröpfen sollte nicht bei offenen Wunden oder unvollständig verheilten Gewebestellen angewendet werden.
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Vorbereitung auf die manuelle Therapie. Das Schröpfen kann vor der Gelenkmobilisation, der Weichteilbehandlung oder Dehnübungen erfolgen, wenn Schmerzen und Abwehrspannungen die Behandlung beeinträchtigen.
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Vorbereitung auf die Bewegungstherapie. Kurzfristige Veränderungen hinsichtlich der Schmerzen oder der Beweglichkeit können einem Patienten helfen, Kräftigungs- und Bewegungsübungen mit weniger Beschwerden durchzuführen. Die Bewegungstherapie zielt dann auf die Leistungs- und Bewegungsdefizite ab, die durch Schröpfen allein nicht behandelt werden können.
Es gibt Hinweise auf eine mögliche kurzfristige Schmerzlinderung, doch die Erkenntnisse hinsichtlich einer dauerhaften funktionellen Verbesserung sind nach wie vor begrenzt. Schröpfen zeigt die beste Wirkung als Ergänzung im Rahmen eines umfassenderen physiotherapeutischen Konzepts und nicht als eigenständige Behandlung.
Wie sich das von Physiotherapeuten durchgeführte Schröpfen in der Praxis vom Schröpfen in Wellness-Einrichtungen oder in der Akupunktur unterscheidet
Ein Physiotherapeut passt die Schüttelbecher-Therapie entsprechend dem Behandlungsziel und dem Ansprechen des Patienten an. Der Therapeut passt die Saugkraft, die Anwendungsdauer, die Platzierung der Schüttelbecher sowie die Frage an, ob die Schüttelbecher still bleiben oder über das Gewebe bewegt werden. Die Reaktion der Haut, eventuelle Beschwerden und Veränderungen in der Beweglichkeit dienen als Orientierung für die nächste Anwendung. Dunklere Flecken sind kein Zeichen für eine bessere Behandlung.
Der Behandlungsfortschritt hängt eher von einer erneuten Beurteilung als von einer festgelegten Routine ab. Ein Therapeut kann zunächst mit einer geringeren Saugkraft oder einer kürzeren Anwendungsdauer beginnen und die Intensität dann steigern, wenn der Patient dies verträgt und ein positives Ansprechen zeigt. Der Physiotherapeut kann auch den Behandlungsbereich oder die Technik ändern, wenn das Schröpfen keine Wirkung auf die Schmerzen oder die Beweglichkeit zeigt.
Das klinische Schröpfen mündet in der Regel direkt in die aktive Behandlung. Ein Patient kann ein Gelenk bewegen, während die Schröpfgläser noch angebracht sind, und nach deren Entfernung Dehnungs- oder Kräftigungsübungen durchführen. Der Physiotherapeut kann dieselbe schmerzhafte oder eingeschränkte Bewegung erneut beurteilen, um festzustellen, ob das Schröpfen ein günstiges Zeitfenster für Übungen geschaffen hat.
In Wellness-Einrichtungen oder bei Akupunkturbehandlungen kann das Schröpfen als Hauptleistung angeboten werden. In der Physiotherapie wird es in einen Behandlungsplan eingebunden, der auf funktionellen Zielen, therapeutischen Übungen und einer regelmäßigen Neubewertung basiert. Das Schröpfen kann Symptome lange genug lindern, um Bewegungsübungen zu ermöglichen, doch wiederholte passive Behandlungen allein werden wahrscheinlich nicht die Kraft, Koordination oder Belastungstoleranz verbessern, die für eine dauerhafte Einschränkung verantwortlich sind.
Wie sich das Schröpfen in einen umfassenden Behandlungsplan einfügt
Das Schröpfen eignet sich am besten als ergänzende Maßnahme, die kurzfristig eine Gelegenheit zur aktiven Rehabilitation schafft. Wenn ein Patient nach der Behandlung weniger Schmerzen hat oder sich leichter bewegen kann, kann der Physiotherapeut dieses Zeitfenster nutzen, um Bewegungen und Belastungsübungen zu trainieren, die auf die Ziele des Patienten abgestimmt sind. Das Schröpfen allein kann nicht die wiederholten Kräftigungsübungen, das Training der motorischen Kontrolle oder die Aktivitätsbelastung bieten, die für eine dauerhafte funktionelle Veränderung erforderlich sind.
Ein Trainingsprogramm für zu Hause vertieft die während des Termins eingeführten Bewegungsabläufe. So können beispielsweise nach einer Schröpfbehandlung bei Verspannungen in der Wade Übungen zur Beweglichkeit des Sprunggelenks und eine schrittweise Belastung der Wade folgen. Der Patient kann dann eine geeignete Variante davon zu Hause wiederholen. Durch regelmäßiges Üben kann der Physiotherapeut beurteilen, ob die Bewegungsverbesserung auch nach dem Abklingen der unmittelbaren Wirkung der Schröpfbehandlung anhält.
Digitale Tools können die Verschreibung und Überwachung dieser Folgemaßnahmen erleichtern. Physitrack bietet Ärzten eine Übungsbibliothek und einen Tool zur Erstellung von Heimtrainingsprogrammen, mit denen sie strukturierte Pläne erstellen können, die Patienten zwischen den Terminen fortsetzen können. Der Arzt wählt weiterhin die Übungen, die Trainingsintensität und die Steigerung entsprechend der Beurteilung und dem Ansprechen des Patienten aus.
FAQs
Wie lange bleiben die Spuren vom Schröpfen sichtbar?
Schröpfstellen entstehen durch die Reaktion kleiner Blutgefäße auf den Unterdruck und verblassen in der Regel innerhalb weniger Tage bis etwa einer Woche. Bei dunkleren Stellen oder empfindlicher Haut kann es länger dauern, bis sie verschwinden. Patienten sollten sich an ihren Arzt wenden, wenn sich Schmerzen, Schwellungen, Blasenbildung oder Hautveränderungen verschlimmern.
Wie oft kann eine Schröpfbehandlung durchgeführt werden?
In der Forschung gibt es keinen standardisierten Dosierungsplan für die Häufigkeit von Schröpfbehandlungen. In der Praxis richtet ein Physiotherapeut den Zeitpunkt der Sitzungen nach der Reaktion der Haut, den Behandlungszielen und dem allgemeinen Gesundheitszustand aus und wartet, bis die Abdrücke und etwaige Hautirritationen aus der vorherigen Sitzung abgeklungen sind. Eine individuelle Beurteilung trägt dazu bei, eine wiederholte Behandlung von Gewebe zu vermeiden, das sich noch nicht erholt hat.
Ist Schröpfen schmerzhaft?
Beim Schröpfen treten in der Regel eher Druckgefühle, ein Ziehen oder vorübergehende Empfindlichkeit als stechende Schmerzen auf. Ein starker Unterdruck oder Bewegungen über empfindlichem Gewebe können als unangenehm empfunden werden. Patienten sollten ihrem Physiotherapeuten mitteilen, wenn sie Schmerzen verspüren, damit dieser den Unterdruck verringern oder die Behandlung unterbrechen kann.
Kann das Schröpfen mit anderen physiotherapeutischen Behandlungen kombiniert werden?
Physiotherapeuten kombinieren das Schröpfen häufig mit manueller Therapie, Mobilisierungsübungen und therapeutischen Übungen. Das Schröpfen kann Beschwerden oder Gewebeeinschränkungen vor aktiven Bewegungen vorübergehend lindern. Die Übungen tragen dann dazu bei, die gewonnene Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit zu festigen.
Wer sollte auf Schröpfbehandlungen verzichten?
Schröpfbehandlungen sind möglicherweise ungeeignet bei offenen Wunden, Infektionen, empfindlicher Haut, frischen Verletzungen oder an Stellen mit eingeschränkter Empfindungsfähigkeit oder Durchblutung. Personen mit Blutgerinnungsstörungen, Problemen bei der Blutgerinnung oder unter Einnahme von Antikoagulanzien benötigen eine ärztliche und klinische Abklärung. Ein Physiotherapeut kann die Krankengeschichte überprüfen und bei Bedarf eine sicherere Alternative wählen.
